Donnerstag, 13. Juni 2013

Geburtsgeschichte von L.

 Heute stelle ich Euch die Geburtsgeschichte meines vierten Kindes im Jahr 2000 ein. Ich hatte mich für eine Geburt in der Hebammenpraxis entschieden. Meine Hebamme hatte mich schon in der Schwangerschaft begleitet und kannte die Geschichten meiner ersten drei Geburten.
Aber lest selbst:

Seit ungefähr zwei Wochen hatte ich abends schon regelmäßige, durchaus auch schmerzhafte Wehen, die sich aber im Laufe der Nacht wieder legten. Darum war ich auch nicht verwundert, dass ich beim Frühstück wieder dieses Ziehen im Unterleib hatte. Später wollte ich dann die Beine hochlegen und mich schonen.....

Um 12 Uhr mittags hatten wir einen Termin an unserem neuen Häuschen. Wir konnten den Schlüssel in Empfang nehmen und wollten schon mal die Räume vermessen. Zwischendurch wurde der Bauch immer wieder hart und ich musste doch auch hin und wieder kräftig atmen und pusten. Da die ganze Sache aber schmerzfrei ablief, dachte ich mir nichts dabei. Bis zum Geburtstermin waren es ja auch noch fast 2 Wochen.
Merkwürdig fand ich allerdings, dass ich immer wieder zur Toilette musste und auch einen starken Druck auf den Darm verspürte. Vielleicht wusste ich da schon, dass die Sache anders lag als in den letzten Wochen.
Um ca. 14 Uhr auf der Rückfahrt im Auto, ahnte ich, dass die Geburt losging. Ich vermutete aber, dass das Kind in der Nacht kommen würde. Immerhin waren meine 3 anderen Kinder ja auch in der Nacht bzw. am frühen Morgen geboren.
Um 14.30 Uhr bat ich meinen Mann, den Kindern etwas zu Essen zu machen. Mir ging es nicht gut. Der Druck auf den Unterleib war stärker geworden und ich wollte eigentlich nur auf meinen Pezziball und für mich sein. Außerdem stellte sich Schüttelfrost ein.

Daraufhin wurde mein Mann hellhörig. Er setzte die drei Großen erst einmal vor „Emil und die Detektive“ und informierte die Nachbarn, dass die Geburt losginge. Weil ich die Hebamme nicht „unnütz“ rufen wollte, bat ich meinen Mann nach dem Muttermund zu tasten. Er hatte sich schon mehrere Zentimeter geöffnet. Danach rief mein Mann die Hebamme an und schilderte ihr meinen Zustand. Die beiden machten aus, dass wir uns sofort in der Hebammenpraxis treffen wollten.
Auf dem Weg zur Praxis wurden die Wehen immer stärker. Die unbequeme Sitzposition im Auto machte mir zu schaffen. Ich spürte einen ganz unangenehmen Druck auf den Damm.
Um 15 Uhr kamen wir an der Praxis an. Dort durfte ich mich erst mal kurz ausruhen. Nach der Autofahrt kam mir die vaginale Untersuchung wie eine Entspannungsübung vor. Der Muttermund war 5 cm eröffnet. 

Während ich wieder auf dem Pezziball mit meinem Becken kreiste, machten die Hebamme und mein Mann das Gebärzimmer fertig. Danach saßen wir zu dritt in der Runde. Ich schnaufte auf meinem Ball vor mich hin und zwischendurch redeten wir über Gott und die Welt. Die Wehen fand ich noch harmlos, ich konnte sie gut veratmen. Das Gespräch in den Wehenpausen brachte mir Entspannung. Ich fühlte mich von meinen beiden Partner moralisch wirklich gut unterstützt. Wenn ich die Wehen veratmete, sagten sie mir immer wieder wie toll ich meine Sache mache.

Um ca. 15.30 Uhr hatte ich eine richtig gemeine Wehe und ich kam zum ersten Mal aus meinem Atemrhythmus. Danach herrschte ich meinen Mann an, dass er mir in solchen Situationen voratmen solle. „Sag mir ich soll ausatmen und dann atme mit mir!“
Danach begab ich mich zur Toilette. Als ich wieder kam meinte die Hebamme, ich sollte mich noch mal untenrum freimachen. Sie wollte mich gerne auf den Gebärhocker setzen und kurz den Muttermund tasten. Mein Mann sollte sich hinter mich setzen und mich stützen.
Als ich mich allerdings auf den Hocker setzen wollte, bekam ich starke Unterleibsschmerzen. Die Hebamme bat mich dann aufs Bett, aber in dem Moment, in dem ich mich aufrichtete platzte die Fruchtblase und das Fruchtwasser ergoss sich im Schwall auf den Boden. Danach konnte ich mich gut auf den Hocker setzen. Allerdings bekam ich sofort einen starken Pressdrang.
Das Kind war regelrecht durch den Geburtskanal gerutscht und drückte nun stark auf den Damm. Außerdem hatte der Kleine seinen rechten Arm an den Kopf gelegt.
Nachdem meine Hebamme die Lage erfasst hatte, durfte ich sanft mit pressen. Mir kam diese letzte halbe Stunde wie eine Ewigkeit vor. Obwohl alles normal, ablief hatte ich das Gefühl, ich würde dieses Kind nicht auf die Welt bringen. Ich schimpfte mit der Hebamme: „ Zieh es raus, ich schaff das nicht“ Keine Ahnung, was sie darauf erwiderte, das war in dem Moment auch nicht wichtig.
Um 16.13 war L. dann auf der Welt. Zuerst lag er noch zwischen meinen Füssen und ich durfte ihn selbst an mich nehmen. Das war ein großartiges Gefühl! Viel besser als es direkt auf den Bauch geworfen zu bekommen.

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, was passierte bis die Nachgeburt kam. Wahrscheinlich ging das recht schnell und ich meine, dass ich auch noch auf dem Hocker saß.
Meine nächste Erinnerung ist die, dass L. in ein Seidentuch gewickelt neben mir im Bett liegt. Auch mich haben die Beiden unter eine Decke gesteckt. Mein Mann legt sich zu uns und die Hebamme geht in die Küche, um uns einen Tee zu kochen.
Der Kleine ist durch die schnelle Geburt etwas blau und schnauft neben uns wie ein kleines Hündchen. Dann beginnt er zu schmatzen und zu suchen. Ich ahne was er will und biete ihm meine Brust, die er gerne nimmt.
Als die Hebamme wieder reinkommt und sieht, dass ich L. stille, sagt sie nur: „Jetzt ist er angekommen“
Nachdem wir gemeinsam den Tee getrunken haben, versorgt die Hebamme zuerst mich. Dadurch, dass das Ärmchen am Kopf lag, bin ich leicht gerissen. Die Wunde wird versorgt und ich bekomme frische Wäsche.
Danach wird die erste Untersuchung an L. durchgeführt. Während ich mich noch mal unter die Decke kuschele, macht mein Mann die ersten Fotos.
Gegen 18.30 dürfen wir nach Hause fahren. Wir verabschieden uns von unserer Hebamme, die am nächsten Morgen vorbeikommen will. Zuhause warten schon die Kinder und Nachbarn ganz gespannt. Dort werden wir mit warmem Abendessen begrüßt und ich merke, dass ich wirklich hungrig bin. So ist diese gemeinsame Abendessen ein schöner Abschluss des Tages!

Kommentare:

  1. Kompliment für die sehr anschauliche und ausführliche Geschichte. Es liegt vielleicht an der Sicht eines Mannes, daß ich mich frage, ob du die Geschichte früher schon mal irgendwo niedergeschrieben hast oder ob du dich auch nach 13 Jahren noch so genau daran erinnern kannst. Nebenbei, wenn es schon HebammenPraxis heißt gehe ich davon aus, daß dort auch ein Arzt o.ä. anwesend ist oder wie erfolgt sonst die "Versorgung" der Frau?

    LG
    Michael

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  2. LIeber Michael,

    ja, ich hatte die Geburt schon vorher aufgeschrieben. Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich mich sehr stark mit meinen eigenen Geburtsgeschichten auseinandergesetzt.
    Eine Hebammenpraxis oder ein Geburtshaus wird tatsächlich von Hebammen geführt, einen Arzt braucht es da nicht. Hebammen können eine Geburt und die erste Untersuchung des Kindes eigenständig durchführen.
    Das war für mich einer der wichtigen Gründe mich für das Geburtshaus zu entscheiden: eine Hebamme ohne Schichtwechsel und keine medizinischen Interventionen.

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