Samstag, 26. Januar 2013

Das Kind schon schaukeln....

Letzte Woche war ich bei der Post. Als ich rein kam, waren die Damen schon im Gespräch mit einer hochschwangeren Frau.  Es ging wohl darum, dass sie "am Termin" sei.

"Ich geh ja auch gleich zu meiner Ärztin"
"Na, die wird das Kind schon schaukeln! Uns bis zum Krankenhaus ist es ja auch nicht weit von hier..."
"Ja, und mein Mann holt mich gleich hier vorne ab."

Diese paar Sätze haben mich fast zum Platzen gebracht. Warum?!

Die Selbstverständlichkeit, mit der davon ausgegangen wird, dass man Ärzte für die Geburt braucht. Ja sogar ein Krankenhaus.  Wer kriegt denn hier das Kind? Doch wohl die schwangere Frau, die sich aber noch fit genug fühlt, um den Alltag zu erledigen. Sie ist weder krank noch behindert, auch geistig dürfte sie noch voll auf der Höhe sein!
Ich wünsche mir so sehr, dass Frauen wieder dahin zurück kommen, dass sie an ihre eigenen Fähigkeiten glauben. Sie brauchen niemanden, der es für sie macht, ihnen etwas abnimmt. Was sie brauchen ist jemand, der weiß, was in ihnen vorgeht. Der ohne Worte versteht, was sie gerade brauchen oder auch nicht brauchen. Jemand, der selbstverständlich zur Stelle ist und sie unterstützt oder selbstverständlich daneben sitzt, wenn gerade keine Unterstützung gebraucht wird.
Was Gebärende nicht brauchen sind Menschen, die ihnen vorschreiben, was sie tun sollen. Die sie mit Informationen überhäufen. Die ihnen Druck oder sogar Angst machen.

Bitte, bitte, bitte gebt Euren Verstand und Eure Entscheidungsfähigkeit nicht an der Praxis bzw. Kreißsaaltür ab!

Kommentare:

  1. Ich war gottfroh, als es vom Arzt hieß, ich dürfe nun wieder alles machen, da das Kind nun rechnerisch kommen dürfe... ( Und ich genoss es, meine Jungs nach einem knappen halben Jahr) wieder rumtragen und hochheben zu dürfen, meine Einkäufe wieder selbst in die Wohnung zu tragen, die Wäschekörbe wieder selbst zu transportieren - denn das Zeug stapelte sich im Treppenhaus, wo es allzu gerne übersehen wurde....
    Und das Knäblein kam nicht früher.... im Endeffekt hat es die Räumungsklage erhalten.

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  2. Liebe Barbara,

    es gibt natürlich immer Ausnahmen, die die Regel bestätigen!
    Was ich meine ist: jede Schwangere sollte die Verantwortung für sich und ihr Kind übernehmen. Mit allen Fakten, die sie dazu braucht, aber auch mit ihrer mütterlichen Intuition (was auch wieder ein langes Thema ist!).
    Was ich auch gemein finde: den Frauen Angst machen, dass etwas mit dem Kind passieren könnte. (damit meine ich jetzt nicht deine Situation)

    Aber ich habe ja gut reden: ich bin eine Doula, ich darf an die guten Seiten von Schwangerschaft und Geburt glauben. Ich muss nicht auf der Suche nach Unregelmäßigkeiten sein und ich bin auch niemandem, ausser den Eltern, die mich engagoert haben, zu Rechenschaft verpflichtet...

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  3. Jawohl, genau so sehe ich das auch! Erst kürzlich hat wieder eine Freundin von mir gesagt, dass sie im Privatspial neben dem Allgemeinen Krankenhaus in Wien gebären möchte, damit sie im Notfall gleich gut versorgt werden! Ich finde es sehr traurig, dass Schwangerschaft und überhaupt die Geburt bei vielen Frauen/Paaren so angstbesetzt ist! Klar ist es toll, dass es die ganzen medizinischen Dinge gibt, für Fälle, wo sie wirklich nötig sind (Plazenta vor dem Muttermund, Querlage...).

    Aber gleich von vornherein davon auszugehen, dass ja was passieren könnte... diese Frauen tun mir echt leid. Weil sie wohl nicht die Erfahrung machen werden, was sie aus eigener Kraft, selbstbestimmt schaffen können! Diese Freundin hat mir dann gesagt, dass sie halt nicht so mutig ist wie ich und eine Hausgeburt macht. Darauf hab ich ihr (und vielen anderen davor) gesagt, dass ich persönlich es mutig finde, ins Krankenhaus zu gehen! :) Denn in Ö. gibts mittlerweile eine Kaiserschnittrate von 30%. Ich weiß zwar nicht, wie viele davon wirklich medizinisch notwendig sind, aber diese 30% sind es sicher nicht. Bei Hausgeburten müssen 10% abgebrochen werden, das heißt aber noch nicht, dass das alles Kaiserschnitte werden. Und schon gar nicht, dass das alles Notfälle sind. Meine Hebamme meinte, dass das meistens Geburten sind, wo nichts weitergeht.

    Und viele Komplkationen entstehen erst durch medizinische Intervention. Und das hört man dann immer als Hororgeschichten mit dem Zusatz "Nur gut, dass sie im Krankenhaus waren, zuhause wäre das böse ausgegangen". Aber vielleicht wäre das zuhause oder im Geburtshaus gar nicht passiert?! Bei meiner Hausgeburt gabs auch eine Phase, wo weniger weiter ging und die Wehen schwächer wurden ... aber ich/wir haben das geschafft und hatten daheim einfach viel Zeit. Meine Hebamme meinte, im Krankenhaus hätte ich wahrscheinlich ein Wehenmittel bekommen, weil da einfach immer was weiter gehen muss. Und wer weiß, was dann passiert wäre? Ich bin so froh, diese Erfahrung nicht gemacht zu haben...

    Ich würde jetzt natürlich niemanden überreden, eine Hausgeburt zu machen. Denn jede Frau muss sowieso den Ort der Geburt finden, wo sie sich am wohlsten fühlt. Man kann ja auch im Krankenhaus selbstbestimmt und ohne Angste gebären (mein Neffe ist im Krankenhaus mit Wahlhebamme zur Welt gekommen und ambulant heim gegangen, ohne auch nur einen Arzt gesehen zu haben).

    Aber ich empfehle jeder Frau eine eigene Hebamme und das Buch "Die selbstbestimmte Geburt". Und ich wünsch mir so, dass Frauen diese Angst vor (irgendwelchen undefinierten Notfällen bei) der Geburt ablegen!!

    So genug geschrieben, du weißt ja bestimmt eh, was ich meine und siehst das wahrscheinlich ähnlich....
    Liebe Grüße, Selina

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  4. Vielen Dank, Selina, für deinen ausführlichen Kommentar! "Die selbstbestimmte Geburt" ist eines meiner Lieblingsbücher und ich hatte sogar die Ehre Ina May persönlich kennenzulernen. Eine tolle Frau!

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  5. Oh, das glaub ich, dass sie eine tolle Frau ist! Hab sie kürzlich in dem Freedom for Birth-Film gesehen :-)
    Liebe Grüße, Selina

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