Montag, 17. September 2012

Montagsfrage: Milchstau

Die Frage lautet heute: 
Milchstau. Wie entsteht er? Wie kann ich ihn moeglichst schnell und effektiv loswerden? Wie kann ich ihn vorbeugen?

Dazu habe ich einen Gastbeitrag von Dora Schweitzer. Sie ist Stillberaterin und Autorin des Ratgebers "Stillen" (Trias-Verlag) 
Milchstau

Die Ursachen für einen Milchstau liegen darin, dass sich restliche, nicht entnommene Muttermilch in den Brüsten sammelt und der Druck in den Milchbläschen (Alveolen) steigt. Am häufigsten treten Milchstaus in den ersten Wochen nach der Entbindung auf, obwohl auch Mütter bei fortschreitender Stilldauer durchaus davon betroffen werden können.
Bei einem solchen Stau ist manchmal die komplette Brust schmerzhaft geschwollen. Meist treten jedoch nur einzelne verhärtete und gerötete Stellen auf, unter denen druckempfindliche Knoten getastet werden können.
Ein rechtzeitig behandelter Milchstau ist mit gezielten Maßnahmen leicht in den Griff zu bekommen. Um eine daraus folgende Brustentzündung (Mastitis) zu vermeiden, muss ein Milchstau möglichst rasch behandelt werden.
Die Symptome eines Milchstaus ähneln einem grippalen Zustand. Deshalb sollten stillende Mütter bei körperlichen Beschwerden, wie z.B. Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, außergewöhnliche Müdigkeit oder Fieber ihre Brust besonders beobachten.
Aus diversen Gründen kann der Milchspendereflex gestört sein, was zur Folge hat, dass der Milchvorrat und die sich ständig weiter produzierende Milch nicht wie gewünscht abfließen. 


Körperliche oder seelische Überlastung

Es kommt vor, dass durch seelische und körperliche Überlastung die Aussschüttung des Hormons Oxytocin gehemmt ist. Da dieses körpereigene Hormon für das "Loslassen" der bereits gebildeten Milch verantwortlich ist, kann es sein, dass trotz effektiven Saugens des Kindes ein Rest Muttermilch in der Brust verbleibt. Entspannungsübungen und die Vermeidung von weiterem Stress- bzw. weiterer Überarbeitung sind unbedingt angesagt. 

Schmerzen

Es ist auch möglich, dass bedingt durch Schmerzen (z.B. an der Dammnaht) eine zu hohe Adrenalinausschüttung den Milchspendereflex stört. In diesem Fall wird ein kurzzeitig eingenommenes stillverträgliches Schmerzmittel (z.B. Paracetamol) helfen, die Milch wieder besser zum Fließen zu bringen.

Ungünstiger Stillrhythmus
Manchmal liegen die Ursachen aber auch darin, dass das Baby nicht nach Bedarf oder nicht korrekt angelegt wird. Deshalb sollten sich stillende Mütter bei der Häufigkeit und der Dauer der Stillmahlzeit nicht allzusehr nach der Uhr, sondern sich nach ihrem Gefühl richten.
Es ist günstig, wenn sich Stillmütter den Tag nach der inneren Uhr bzw. nach dem Schlaf-Wach-Rhythmus des Kindes einteilen. Zu große nächtliche Stillpausen sind manchmal der Grund, warum stillende Mütter morgens unter zu stark gefüllten Brüsten leiden, die das Baby dann nicht ausreichend entleeren kann. Außerdem sollte im Falle von gestauten Brüsten ganz besonders auf eine korrekte Stillposition geachtet werden.


Weiterstillen trotz Milchstau ist zu empfehlen!

Stillende, die unter gestauter Milch in der Brust leiden sollten
  • sich wenn möglich schon bei den ersten Anzeichen mit ihrem Baby ins Bett legen und
  • Ruhe und Entspannung gönnen, bis die Beschwerden vollkommen abgeklungen sind.
  • sich bemühen, ihre Brust gut zu entleeren (d.h. tagsüber im Abstand von ca. zwei Stunden stillen, wobei auch in der Nacht die Stillpausen nicht zu lange ausgedehnt werden)
  • das Baby zuerst an der gestauten Brust trinken lassen
  • eine Stillposition wählen, bei der der Unterkiefer des Kindes zur gestauten Stelle hin gerichtet ist. (Falls sich die Verhärtung an der Unterseite der Brust zeigt, ist es sinnvoll, im Liegen oder in der "Hoppe-Reiter-Position" zu stillen; wenn sich die verhärtete Stelle seitlich befindet, ist die Footballhaltung am günstigsten)
  • durch eine sanfte Druckmassage mit der Hand rings um die Brust den Milchfluss anregen.
Falls die Brust nicht so weich ist, dass das Baby sie gut fassen kann, ist es sinnvoll, vor dem Stillen einen geringen Teil der Milch von Hand zu entleeren, wobei die Brust gezielt im gestauten Bereich massiert und ausgestrichen werden sollte. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, einen Teil der Muttermilch mit einer Handpumpe oder einer elektrischen Milchpumpe zu entleeren.
Kalte Brustumschläge zwischen den Stillmahlzeiten sind sehr nützlich. Hierzu können verschiedenen Mittel verwendet werden: z.B. gekühlter Quark (ist eine bewährte aber etwas aufwendige klassische Variante); kühlschrankkalte Kohlblätter (sehr gute schnellere und saubere Alternative); auch eine mit Wasser besprühten frische Erstlingswindel, die im Tiefkühlfach aufbewahrt wurde, eignet sich als Brustumschlag. Darüberhinaus kann die Brust auch mit handelsüblichen Thermokompressen gekühlt werden.
Als zusätzliche Maßnahme beim Milchstau sind Wärmebehandlungen vor dem Stillen sinnvoll.
Hierzu eignen sich feuchtwarme Kompressen (z.B. mit einem angefeuchtetem Tuch oder einem Kirschkernkissen). Ein entsprechend warmer Duschstrahl oder das Umlüften mit einem Haarfön sind ebenfalls geeignet, um die Milch besser zum Fließen zu bringen.
Ich empfehle Müttern, die unter einem Milchstau leiden auch sehr gerne das Schütteln der Brüste bei vorgebeugtem Oberkörper (mehrmals täglich – besonders jedoch vor dem abendlichen Zubettgehen).
Von fachkundigen Personen empfohlene homöopathische Mittel können ebenfalls zur Behandlung eines Milchstaus eingesetzt werden.
Sollte der Milchstau aufgrund einer geringen Überproduktion der Milch entstanden sein, lässt sich die Nachbildung der Muttermilch durch das Trinken von ein-bis zwei Tassen Pfefferminztee leicht reduzieren. In Fällen von gravierender Überproduktion kann durch das Trinken von Salbeitee die Milchproduktion stark reduziert werden. Außerdem mag es in diesem Fall hilfreich sein, dem Baby pro Mahlzeit nur eine der beiden Brüste anzubieten. Maßnahmen, die zur Reduktion der Milch führen, sollten aber erst dann in Angriff genommen werden, wenn sichergestellt ist, dass das Kind über einen längeren Zeitraum ausreichend zu genommen hat.

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