Donnerstag, 23. August 2012

Hausgeburt von Sophie Selen


Ende des letzten Jahres bekam ich eine Mail von Katharina. Sie wollte sich über meine Begleitung als Doula informieren.
Nach einem Besuch bei Katharina und ihrem Mann Mario, baten sie mich sie zu begleiten. Mittlerweile war die Entscheidung für eine Hausgeburt gefallen und ich sollte zusätzlich zur Hebamme dazu kommen. Lest einfach selbst! 
Katharina hat übrigens ein ganz hübsches Blog: Baby Alarm!


In kürze vorweg:
ET war der 7.3.
Erste Wehe 17:30 am 14.3., regelmäßige Wehentätigkeit ab ca 21:00
Geburt um 20:53 am 15.3. im Geburtspool bei uns zu Hause

Maße meiner Prinzessin:
4350g, 55cm, 38cm Kopfumfang

Aber jetzt von Anfang an, ich muss etwas ausholen:

Do. 08.03.:

Letzter Ultraschalltermin bei Fr. Odinzow, CTG unauffällig, eine einzige Wehe, Muttermund nicht erreichbar (letztes mal fast fingerdurchlässig) und Köpfchen nicht im Becken (auch das war beim letzten mal schon besser). Das macht mir Sorgen (auch wenn mir nicht bewusst ist, wie sehr) denn das bedeutet einen Rückschritt und ich fürchte das etwas nicht stimmt, weil der Kopf trotz Überschreiten des Geburtstermins nicht fest im Becken ist.



Sa. 10.03.:
Unsere Hebamme Gundula kommt zur CTG Kontrolle. Schon seit dem Morgen spüre ich immer wieder regelmäßige Kontraktionen. Da ich selbst schon seit Mitte der Schwangerschaft immer gesagt habe, die Maus kommt am 10. März, mache ich mir große Hoffnungen.

Da ich meiner Schwester Clara davon erzählt habe, beschließt sie, aus Berlin nach Hause zu kommen und bis Donnerstagmorgen zu bleiben um evtl. ihre Nichte gleich sehen zu können. Am CTG sind mittags dann auch schön regelmäßige Kontraktionen alle 10min zu sehen. Gundula gibt mir den Tipp, Buttermilch mit ganz viel Zimt zu trinken um die Wehen weiter anzuregen. Nach der Zimt-Milch wurden die Kontraktionen dann auch sehr regelmäßig (alle 13-14min), ich hab dann Nervenkekse nach Hildegard von Bingen gebacken (sehr anstrengend!) und abends waren sie dann auf 10-11 Minuten. Ich bin dann noch in die heiße Wanne, dann sind wir schlafen gegangen, und das war’s, super geschlafen, keine Wehen mehr.

So. 11.03.

Den ganzen Tag über immer wieder Kontraktionen, unregelmäßig alle 5-10min, gelegentlich auch mal von einem leichten Ziehen begleitet. Abends kommt Clara an und bleibt bei uns im Gästezimmer.

Mo. 12.03.:

Wieder Termin beim Frauenarzt, CTG ok, Odinzow ist krank deshalb Vertretung bei Sajogo. Sie will gleich einen Termin im Kreissaal machen für Dienstag, um eine Einleitung zu machen. Ich sage ihr, dass wir eine Hausgeburt planen und eine Einleitung nicht in Frage kommt, was sie scheinbar etwas schockt, aber sie geht danach nicht weiter drauf ein. Ultraschall ist in Ordnung, Fruchtwassermenge untere Norm aber OK. Versorgung der Nabelschnur und Hirnarterien gut. Sie nannte noch einige Sachen die ich ausprobieren könnte, um die Geburt in Gang zu bringen.

Den Tag über weiter nur unregelmäßig Wehen, weiter Zimt-Buttermilch getrunken, Frustration steigt.

Di. 13.03.:

Tag auf dem Sofa verbracht, wieder Zimt-Buttermilch getrunken, mittags Spaziergang gemacht, unregelmäßig Kontraktionen. Abends ein Tanz-Video zu MOVE IT gedreht ( http://www.youtube.com/watch?v=ecARKDxlK0o) (obwohl ich wenig Lust dazu hatte), Wir beschlossen am nächsten Tag abends zum Mexikaner zu gehen, da scharfes Essen ja auch die Wehen fördern soll.

Mi. 14.03.:
Schon morgens völlig fertig mit den Nerven und den Tränen nahe, denn ich hatte mir wieder Hoffnungen gemacht dass in der Nacht endlich die Wehen einsetzen könnten.
Um mich zu beruhigen und etwas zu entspannen habe ich eine Heiße 7 getrunken. Hat gut geholfen, mir ging es besser und ich beschloss mit Clara shoppen zu gehen um mich abzulenken, denn das ewige Warten auf dem Sofa mit Wehenabständen messen wurde mir zu viel (im Nachhinein auch völlig unsinnig).

Also gingen wir los, haben einen tollen Bademantel und große Unterhosen fürs Wochenbett bei C&A gekauft. Dann noch jede Menge Dekomaterial für meine Frühlingsdeko, denn bei mir stand noch vor kurzem die Weihnachtsdeko rum. Danach haben wir noch entspannt einen Kaffee getrunken und sind zum Frauenarzt gefahren. Wieder waren wir bei Fr. Sajogo. CTG war wieder unauffällig und ohne nennenswerte Wehen. Dann kamen wir ins Sprechzimmer. Und es ging gleich ziemlich zur Sache.

Sie wollte uns unbedingt zu einer Einleitung bringen, und sagte man könne jetzt mit keiner Methode mehr sicher sagen das es der Kleinen noch gut geht, und wenn das CTG schlecht wäre dann müssten wir schon mit Blaulicht ins Krankenhaus fahren. Sie sagte, mit jedem weiteren Tag steigt das Risiko eines Intrauterinen Kindstodes, und ich würde mit meiner Weigerung zu einer Einleitung, den Tod meines Kindes riskieren. Frau Odinzow hätte schon schlaflose Nächte und Bauschmerzen wegen mir.

Das Ganze ging mir schon recht nahe und es fiel mir schwer, mir dies nicht anmerken zu lassen. Der Ultraschall war in Ordnung, sie hat Sophie noch mal ausgemessen und kam auf 3600g. Versorgung hat sie nicht gemessen, da sie selbst ja vorher gesagt hatte, dass dies nicht mehr aussagekräftig sei (ich frage mich nur wozu ich dann unbedingt zum Ultraschall in die Praxis sollte statt gemütlich auf dem Sofa von meiner Hebamme die Vorsorge machen zu lassen…)

Sie tastete noch nach dem Muttermund und sagte dieser sei fast fingerdurchlässig, aber der Kopf sei noch nicht im Becken. Dies sei sehr ungewöhnlich und könnte auf ein Missverhältnis zwischen Becken und Kopfumfang hindeuten. Damit lieferte sie meinen Ängsten neuen Zündstoff und ich war erst recht verunsichert und nervös.
Wir gingen nach Hause und schon im Auto wurde es mir zu viel und ich fing an zu heulen. Ich machte mir schon seit Tagen Sorgen ob meine Haltung richtig sei, ich fürchtete die Gesundheit meines Kindes zu gefährden und, dass eventuell irgendetwas nicht stimmt und deshalb die Geburt nicht losgeht.

Clara fuhr dann zu Oma damit ich in Ruhe telefonieren und mich beruhigen konnte.
Ich sprach mit Gundula die mir versicherte, dass es keinen Grund zur Sorge gibt, und es absolut nicht stimmt, dass man nicht feststellen kann, ob es Sophie gut geht. Außerdem sei es keineswegs ungewöhnlich, dass der Kopf noch nicht im Becken sei, dies könne auch durchaus noch während der Geburt passieren. So richtig beruhigt hat mich das allerdings nicht. Am nächsten Tag würde sie vorbeikommen, um sich selbst noch einmal ein Bild von der Lage zu machen.

Dann habe ich mit unserer Doula Doro telefoniert und auch ihr vom Termin beim Frauenarzt und ihren Aussagen berichtet. Dabei habe ich noch einmal eine heiße 7 getrunken, um mich wieder zu beruhigen, da dies schon am Morgen so gut geklappt hatte. Ich berichtete ihr von meinen Sorgen, dass ich mich schon auf dem OP Tische sehe wenn ich ins Krankenhaus zur Einleitung gehen würde, auch wegen der Aussage zum Köpfchen das nicht im Becken ist.

Doro erklärte mir noch einmal, dass es absolut nicht ungewöhnlich ist, dass das Köpfchen sich noch nicht eingestellt hat, dies sei gerade bei Erstgebärenden normal, da der Beckenboden noch stark ist. Als sie dies sagte, fiel auch mir wieder ein, dass ich genau das schon wusste und mich aber dennoch irgendwie hatte verunsichern lassen. Irgendwie machte es in dem Moment Klick in meinem Kopf und mir ging es plötzlich viel besser.

Als Clara zurück kam war ich fast wie ausgewechselt und wieder total entspannt.
Wir machten es uns wieder auf dem Sofa gemütlich und ich hörte mir die Geburtsaffirmationen des Hypnobirthinginstitutes an um mich weiter zu entspannen und meine innere Zuversicht wiederzufinden. Das klappte sehr gut und schon bald danach (17:30) spürte ich eine Kontraktion mit einem deutlichen und völlig anderen Ziehen als bisher. Sofort dachte ich „Das war anders!“ und war mir irgendwie sicher, dass es losgeht, obwohl ich es da noch nicht wirklich glauben wollte.

Zu der Zeit kam auch Mario von der Arbeit wieder und wir wollten Essen gehen. Einen Moment lang überlegte ich, ob wir nicht besser hier bleiben, aber dann beschloss ich, dass wir besser gehen, denn falls es nicht losgeht würde ich mich ärgern und es könnte ja nur helfen wenn ich jetzt mit ein wenig scharfem Essen das Ganze noch weiter anrege.
Das Essen war wirklich witzig, ich hatte alle 5-7min eine Wehe und je länger dies so ging desto besser ging es mir zwischen den Wehen, bis ich mich zum Schluss richtiggehend High fühlte. Ich war mir immer sicherer, dass es wirklich losgeht und hatte dann bald keine Lust mehr, länger im Restaurant zu sitzen und wollte unbedingt nach Hause.

Zu Hause angekommen, legte ich mich erstmal in die Wanne, um zu testen ob die Wehen bleiben würden (das war um 20:10), in der Wanne blieben die Wehen und kamen alle 4-6min. Nach etwa einer Stunde beschlossen wir, dass es gut wäre, Gundula zu informieren. Sie kam gegen 22Uhr vorbei und beobachtete mich erstmal eine Weile in der Badewanne
Irgendwann wollte sie mich dann gerne untersuchen, um festzustellen, wie weit der Muttermund schon geöffnet ist. Dazu musste ich aber aus der Wanne raus, dabei war’s da drin doch sooo schön. Aber gut, ich mich und meinen Bauch da rausgehievt und mich aufs Bett gelegt. Muttermund bei 2cm! Da hatte sich seit dem Besuch bei der Frauenärztin mittags ja tatsächlich was getan! Ich habe sie nochmal gefragt, ob es jetzt auch wirklich losgeht, ich konnte es nämlich kaum glauben ;-) Wir haben dann gleich Doro angerufen, damit sie vorbeikommt, denn die Gute hat einen Fahrtweg von 100km, und braucht mindestens eine Stunde.

Um 23 Uhr meinte Gundula dann, wer schlafen kann, soll schlafen, wenn ich das Gefühl hätte sie zu brauchen könnte ich sie jederzeit erreichen, sie wäre innerhalb von 20min da.
Mario hat sich also nach unten ins Wohnzimmer verzogen, um ein wenig zu schlafen, während Clara und ich uns ins Bett im Schlafzimmer legten. Ich habe mir über Kopfhörer die Regenbogenentspannung angehört und versucht zu entspannen und ein wenig zu schlafen, aber dafür waren die Wehen zu stark, wenn auch nicht richtig schmerzhaft, nur kräftig. Irgendwann habe ich wieder angefangen, die Wehenabstände zu messen.
Um ca. 24Uhr traf Doro ein, und gesellte sich zu Clara und mir ins Schlafzimmer, wo ich an der Kommode stehend und mit dem Becken kreisend meine Wehen veratmete. Ich habe mir selbst immer wieder vor Augen gehalten, dass ich mich entspannen muss, um mit den Wehen klar zu kommen.

Nach einem Toilettengang waren die Wehenabstände dann plötzlich nur noch bei 2-3min aber die Wehen waren noch immer sehr gut aushaltbar und mit Konzentration und Entspannung auch nicht sehr schmerzhaft. Irgendwann wurde es dann schmerzhafter, bis mir auffiel das ich während der Wehen den Bauch anspannte. Nachdem mir das klar geworden war, konnte ich mich darauf konzentrieren loszulassen und die Schmerzen wurden wesentlich weniger.

Um mich etwas abzulenken, las Clara uns aus dem Buch „Geburt – Die Wiederentdeckung des Weiblichen Weges“ von Birgit Baader vor, dass ich zu der Zeit gerade las. Die Stimmung war wirklich schön und entspannt, es hatte wirklich was von Pyjamaparty wie wir drei Frauen da im Schlafzimmer bei gedämpftem Licht und Entspannungsmusik von Steven Halpern saßen.

Um 2:30 haben wir dann Mario geweckt, da ich gerne in dem Geburtspool wollte. Denn so langsam wurden die Wehen intensiver und die Abstände blieben konstant bei 2-3min. Mario hat dann gemeinsam mit Doro den Pool aufgebaut und gefüllt.

Um 2:50 haben wir dann Gundula wieder angerufen, denn ich wollte sie jetzt gerne dabei haben, denn ich dachte, dass es ja jetzt nicht mehr allzu lange dauern könnte. Sie war dann um 3:50 da und hat mich noch einmal untersucht. Sie sagte mir das sich was getan hätte am Muttermund machte aber keine genaue Angabe. Mich hat das etwas verunsichert, denn ich dachte mir dass sie nicht sagt wie weit er ist, weil es nur sehr wenig mehr geworden ist. Als ich dann im Pool lag (ca. 3:40) meinte ich, zu hören wie sich Gundula mit Mario unterhielt und ihm sagte der Muttermund sei jetzt bei 3cm. Das hat mich dann wirklich verunsichert, und ich hoffte inständig, mich verhört zu haben, denn seit der ersten Wehe waren nun schon über 10 Stunden vergangen und seid Gundula den Start verkündet hatte, auch schon fast 6 Stunden.

Im Pool wurde mein Sodbrennen, dass mich schon länger quälte, immer schlimmer, und ich mochte nichts essen oder trinken, habe mir aber dennoch immer wieder in kleinen Schlucken Wasser, gelegentlich ein Traubenzucker und sogar einen Joghurt reingezwängt.

Während ich im Pool mit meinen Wehen arbeitete, nickten um diesen herum alle immer wieder ein, auch jetzt herrschte bei Kerzenschein und Entspannungsmusik eine sehr entspannte Atmosphäre.

Nun war natürlich der Donnerstagmorgen gekommen, und Clara würde um 8Uhr von meinem Vater abgeholt werden, der sie zurück nach Berlin bringen wollte. Ich setzte mich selbst unter Druck dass ich die Geburt bis dahin gerne geschafft hätte, denn schließlich sollte Clara die Geburt ihrer Nichte miterleben dürfen. Doch dieses Ziel rückte mit jeder vergangenen Wehe scheinbar immer weiter weg. Ich wurde immer frustrierter, als mir klar war, dass daraus nichts werden würde. In dem Maß wie meine Frustration stieg, wurden auch die Wehen schmerzhafter, und ich hatte teilweise schon ganz schön zu kämpfen. Ich war so sehr damit beschäftigt, mich zu fragen wie lange es wohl noch dauern würde, und ob ich mich jetzt mit den 3cm verhört habe oder nicht, dass ich vergaß mich auf die Wehen bzw. die Entspannung zu konzentrieren.

Um kurz nach 7 wurde ich überredet doch wieder aus dem Pool auszusteigen und zur Toilette zu gehen. Gundula fragte, ob sie mich nochmal untersuchen dürfte, aber ich hatte Angst vor dem Ergebnis. Ich sprach mit Clara kurz darüber, dass ich fürchtete, dass Gundula sagt, dass der Muttermund erst 5cm geöffnet ist, aber sie meinte, ich soll sie ruhig schauen lassen, denn Gundula hätte wohl schon die Vermutung geäußert, dass es mehr wäre (natürlich nicht mir gegenüber, sie war da sehr vorsichtig, mich nicht mit ihren Äußerungen zu verunsichern).

Ich habe sie also nachschauen lassen, aber das ging nur auf dem Gebärhocker, ich konnte mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen mich mit den Wehen auf dem Rücken ins Bett zu legen. Gundula verkündete dann, dass der Muttermund bei 4cm sei. Ich war, gelinde gesagt, geschockt. Ich hatte Angst, wie ich die Geburt überstehen sollte. Das war nicht wirklich hilfreich gegen die Schmerzen. Sie versicherte mir aber, dass wir ja schon fast die Hälfte geschafft haben und die zweite Hälfte normalerweise schneller geht.

Da Clara bald abgeholt werde würde ging sie ihre Sachen packen, während ich mich überreden ließ, mich doch noch aufs Bett zu legen. Dies wollte ich aber auch wegen dem Sodbrennen nur in Seitenlage. Das Ergebnis war, dass das Sodbrennen so schlimm wurde, dass ich mich übergeben musste. Ich bin also wieder aufgestanden und im Flur umhergegangen. Als ich noch einmal zur Toilette ging, löste sich dann endlich der Schleimpfropf. Ich legte mich dann wieder aufs Bett und versuchte in Seitenlage mit den Wehen klar zu kommen während ich abwechselnd die Hand von Mario und Doro drückte.

Unterdessen wurde Clara abgeholt, ein sehr spannender Moment, denn mein Vater sollte nicht mitkriegen das die Geburt gerade in vollem Gange ist.

Mario ist also runter und hat ihm irgendwas aufgetischt das ich mich nicht gut fühlen würde und im Wohnzimmer schlafe, deswegen könne er nicht rein. Er ist dann noch unten aufs Klo gegangen, während alle im Haus den Atem anhielten und hofften, dass jetzt keine Wehe kommt, denn ich war teilweise schon nicht mehr zu überhören, aber ich habe mich zusammengerissen und er hat nichts gemerkt!

Ich konnte danach zwischen den Wehen tatsächlich ein wenig wegdösen, das war wirklich angenehm und erholsam, und das hatte ich auch dringend nötig.
Um kurz nach 10 bin ich dann wieder in den Pool geklettert. Mario ist dann auch noch zu mir in den Pool gekommen und an ihn geschmiegt habe ich weiter die Wehen veratmet und versucht zu entspannen.

Da ich wieder zur Toilette musste bin ich schon bald wieder aus dem Pool raus. Danach bin ich dann wieder aufs Bett umgezogen da Gundula während einer Wehe die Fruchtblase platzen lassen wollte um die Geburt zu beschleunigen. Ich habe also bei einer Wehe kräftig nach unten gedrückt und so ist die Blase geplatzt, ein wirklich verrücktes Gefühl! Leider wurden danach die Wehen deutlich schmerzhafter, bzw. es kam ein anderer Schmerz hinzu, den ich sonst nur von Verstopfungen kenne, nur viel stärker.
Doro und Gundula versuchten abwechselnd, mir die Schmerzen zu erleichtern, indem sie mit Hilfe eines Tragetuchs Druck auf mein Becken ausgeübt haben. Das hat ein wenig geholfen aber leider nicht viel :-(

Ich habe eine ganze Weile im Flur verbracht und bin dort auf und abgegangen und hab mein Kaninchen angeschrien, das dort wohnt :-p Die Schmerzen waren jetzt wirklich nicht mehr schön. Aber im Nachhinein ist das wenigstens die Zeit, an die ich mich am wenigstens erinnern kann, und ich hatte kaum noch ein Zeitgefühl.

Nachmittags um ca. 15 Uhr musste uns Doro leider verlassen. Das war wirklich schade, denn wir hätten ihre Hilfe wirklich gebrauchen können. Denn nun war der Muttermund endlich komplett geöffnet und ich durfte bzw. sollte mitpressen. Ich lag dafür auf dem Rücken im Bett während Mario und Gundula jeweils eins meiner Beine nach oben stützten. Ich sollte während der Wehe in meine Knie fassen und an mich ziehen. Das war wohl nicht nur für mich ein hartes Stück Arbeit!

Mir gefiel diese Position nicht wirklich, aber da ich schon eine ganze Weile am Jammern war, hat das wohl niemanden mehr interessiert ;-) Irgendwann fand ich die „Verstopfungs-Schmerzen“ so schlimm, dass Gundula einen Einlauf vorschlug, da sie vermutete, dass die Schmerzen vom Darm kommen. Dieser hat zwar ein wenig erleichterung gebracht, die Schmerzen wurden aber nicht viel weniger, also musste ich mit den Schmerzen leben…

Um 18:30 waren wir dann soweit das ich endlich wieder in den Pool durfte, das hat mir wieder etwas Mut gemacht da ich Hoffnung hatte, dass es bald vorbei ist (wurde ja auch Zeit!). Doch auch jetzt zog es sich noch hin. Wehe um Wehe verging, ohne, dass sich aus meiner Sicht etwas tat, das war enorm frustrierend und ich wollte nicht mehr glauben dass das Ganze irgendwann in naher Zukunft ein Ende haben würde.

Um ca. 19:50 war dann das Köpfchen langsam zu sehen, und ich durfte es kurz anfassen, da ich es nicht recht glauben wollte. Ich hielt mich während der Wehen an den Griffen des Pools neben mir fest um ordentlichen Halt zum Pressen zu haben. Das war leider keine sehr angenehme Position, da meine Arme ziemlich überstreckt waren. Hier wäre die Hilfe von Doro gut gewesen damit ich mich an Ihre Arme hätte hängen können, Mario wollte diesen Part nämlich nicht übernehmen da er gerne sehen wollte wie die Kleine geboren wird und ich wollte, dass er die Geburt filmt. Also blieb ich in dieser Position.

Um 20:45 etwa war es dann soweit, das Köpfchen war geboren! Erst da konnte ich wirklich glauben dass es fast geschafft war. Ich sehnte die nächste Wehe herbei, doch diese lies gefühlte Ewigkeiten auf sich warten. Aber irgendwann kam sie doch und mein kleiner Schatz Sophie Selen wurde geboren! Als sie da im Wasser schwamm schaute sie sich gleich mit großen Augen um, und mein erster Gedanke, als ich sie sah, war nur „Wahnsinn, du bist NICHT klein!“

Ich konnte sie nun endlich in den Armen nehmen und selbst als Gundula sie kurz nahm um sie zu einem kleinen Schrei zu ermuntern, konnte ich meine Finger nicht von ihr lassen!
Ich ließ sie noch eine Weile in meinen Armen im Wasser schwimmen während wir darauf warteten dass sich die Plazenta löste. Doch die wollte leider nicht. Nach einiger Zeit (sicher eine Stunde) nabelten wir also ab (der Papa hat die Nabelschur durchgeschnitten obwohl er das vorher nie wollte) und zogen aufs Bett im Schlafzimmer um. Dort versuchten wir erst einmal die Kleine anzulegen, aber sie konnte meine Brustwarzen nicht so recht packen.
Die Plazenta wollte auch nach längerem warten mit schieben und leichtem ziehen an der Nabelschnur nicht raus, also gab mir Gundula eine Spritze mit Oxytocin. Während die Spritze wirken sollte, machte Gundula die U1 und nun war auch klar was für einen Brocken ich da zur Welt gebracht hatte:

4360g, 55cm und 38cm Kopfumfang! Ich fiel aus allen Wolken, als ich das hörte! Ich hatte zwar schon gesehen, dass sie wirklich nicht zierlich war, aber dass sie sooo schwer und groß war, hätte ich nicht gedacht. Und da sieht man mal wieder wie falsch so ein Ultraschall doch liegen kann bei der Gewichtsschätzung ;-)

Leider half auch das Oxytocin nicht, die Plazenta zu lösen, und bei einem weiteren Zug an der Nabelschnur riss diese ab. Damit war klar, wir müssen jetzt doch noch ins Krankenhaus umziehen. Zum Glück hatte ich die Kliniktasche fertig gepackt, also zog ich mich mit Hilfe von Gundula schnell an (ich konnte mich wegen der Erschöpfung kaum bewegen) Sophie wurde angezogen und in den Maxi Cosi gesetzt, und dann machten wir uns auf ins Krankenhaus (ist zum Glück nur 5 Min entfernt).

Dort wurden wir schon erwartet, da Gundula zwischenzeitlich dort angerufen hatte. Ich wurde sofort vorbereitet und in den OP gefahren, wo mir unter Vollnarkose die Plazenta entfernt, und ein kleiner Dammriss gleich mit genäht wurde.
Da meine Entzündungswerte durch die Anstrengungen der Geburt ziemlich schlecht waren, musste ich noch drei Tage lang im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden, bevor wir endlich zu Hause unser neues Familienglück genießen durften.

1 Kommentar:

  1. Klasse - die Welt ist klein - Gundula war auch meine Hebamme! ;-)Und an die Geburt der Kleinen kann ich mich aufgrund des zweiten Vornamens sehr gut erinnern....

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