Donnerstag, 29. Dezember 2011

Tag 3 nach Geburt

Als Doula versuche ich die Frauen, die ich begleite, am dritten Tag nach der Geburt zu besuchen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies der schlimmste Tag ist.
Die Schwangerschaftshormone fließen nicht mehr durch den Körper und gerade am 3. Tag geht der Level von Östrogenen, Endorphinen und Progesteron in den Keller.
Hinzu kommen die neuen Anforderungen an die Mutter: das Baby frisst uns buchstäblich auf, die Milch schießt ein und die Brüste spannen. Der eigene Körper ist uns noch fremd. Er hat sich durch die Schwangerschaft und Geburt verändert. Vielleicht sind auch noch Wunden vorhanden, die schmerzen... Wenn sich der Besuch dann auch noch die Klinke in die Hand gibt, um das Baby zu bestaunen, kann es passieren, dass die frischgebackene Mutter regelrecht zusammenklappt.

Wenn ich komme, versuche ich Ruhe, Empathie und ganz viel Mitgefühl mitzubringen. In meiner kleinen Geschenketüte sind auch Kleinigkeiten für die Mutter: ein schöner Tee, Stillkugeln, etwas zu lesen....
Es muss manchmal gar nicht viel sein, um die Frau aufzufangen. Aber es ist wichtig, dass das jemand tut. Gerade am dritten Tag!

Ich selber habe festgestellt, dass der "Blues" zuhause nicht so schlimm war wie im Krankenhaus. Dort hatte ich meine eigene Umgebung, meine Rückzugsmöglichkeiten. Ich konnte steuern, wer zu Besuch kam und mich schlimmstenfalls ins Schlafzimmer verkriechen.
Das sind Vorteile, die im Krankenhaus so nicht gegeben sind.

Ich wünsche Euch jedenfalls, dass der dritte Tag "halb so schlimm" wird.

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